Im Rahmen unseres Podcasts begrüßen wir Martin Hug, einen der Gesellschafter der efcom gmbh. Hören und lesen Sie selbst, was er zu sagen hat – über Offenheit, künstliche Intelligenz und die Besonderheit von Factoring-Software.

Rasko Peric:
Heute begrüße ich Martin Hug, einen der Gesellschafter der efcom gmbh. Herr Hug, Sie sind einer der Gründer von efcom. efcom entwickelt Software für Banken und andere Finanzinstitute. Was ist denn so das Besondere an Ihren Anwendungen?

Martin Hug:
Ein wesentlicher Unterschied ist, dass man im Factoring Daten vieler Kunden managen muss. Das heißt, man hat eine Mandantenfähigkeit und man muss große Datenmengen durchs System schleusen. Es ist ein hoher Automatisierungsgrad da, man braucht also eine sehr schnelle Anwendung.

Rasko Peric:
efcom hat eine überschaubare Anzahl an Mitarbeitern. Ist das eher ein Vorteil oder ein Nachteil?

Martin Hug:
Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir sehr flache Hierarchien haben. Wir arbeiten in Teams, die Teamgröße liegt bei 5 bis 8 Leuten. Dann kann man sich in diesen Teams sehr gut einbringen und letztendlich als Team die Ergebnisse erbringen. Unsere Software unterteilt sich in verschiedene Bereiche: Wir haben eine Backoffice-Anwendung, die der Factoring-Mitarbeiter bedient und wir haben eine Anwendung, die beim Anschlusskunden – also beim Kunden des Factoring-Unternehmens – im Einsatz ist. Das ist logischerweise eine Web-Anwendung. Und das ist auch die Unterteilung in die Teams: Wir haben ein Team, das die Web-Anwendung betreut und ein Team, was die Backoffice-Anwendung betreut.

Rasko Peric:
Wie lange dauern Projekte so im Durchschnitt? Was kann man sich da vorstellen: Sind das mehrere Monate oder ein Jahr bei komplizierteren Projekten?

Martin Hug:
Für kleinere Anpassungen haben wir vielleicht eine Laufzeit von ein paar Wochen. Das wird direkt eingelastet und als Programmänderung an den Kunden ausgeliefert. Das heißt, da sind wir sehr nah am Kunden. Ein Kunde muss nicht auf ein neues Release warten. Wenn etwas dringlich ist, wird das direkt in seiner Version geändert. Bei größeren, neueren Anforderungen kann es schon sein, dass es bestimmt ein halbes Jahr dauert, bis man mit der Implementierung beginnt. Bis das dann umgesetzt ist, vergeht dann vielleicht auch noch ein halbes Jahr. Und bis es produktiv beim Kunden im Einsatz ist, bestimmt auch noch ein halbes Jahr. Es kann also schon sein bei größeren Projekten, dass die mindestens ein Jahr dauern.

Rasko Peric:
Was muss jemand mitbringen, um in Ihrem Team erfolgreich zu sein?

Martin Hug:
Eine ganz wichtige Sache ist ein Abstraktionsvermögen und die Möglichkeit für Transferleistungen. Das liegt daran, dass die Anwendung von uns, die wir geschrieben haben, eine Standardanwendung ist, die aber stark individualisiert werden kann. Das heißt, wir haben sehr unterschiedliche Kunden, die ein sehr unterschiedliches Geschäft betreiben, trotzdem verwenden sie alle die gleiche Software. Man muss, wenn man Kundenanforderungen aufnimmt, die Herausforderung meistern, die sehr konkrete Kundenanforderung in die Standardsoftware einzubauen. Weil, man möchte ja ein wartbares Produkt behalten und wenn man jetzt zu direkt Kundenanforderungen einbaut in die Anwendung, dann würde diese in einen nicht wartbaren Zustand versetzt werden. Und das ist immer wichtig im Blick zu behalten.

Rasko Peric:
Die Struktur der Teams ist ja ganz bunt gemischt. Es gibt Mitarbeiter, die schon relativ lange dabei sind. Das war schon immer so bei efcom?

Martin Hug:
Es ist so, dass wir sehr viel Leute haben, die wir selber herangezogen haben. Das heißt, wir haben eine bestehende Kultur, das wir viel ausbilden und viele Auszubildende dann hier bleiben. Wir haben auch permanent studentische Hilfskräfte, die auch oft nach ihrem Studium hier anfangen. Wir halten auch da einen sehr engen Draht. Was wollen wir erreichen? Wir wollen auch bei den Mitarbeitern eine langfristige Bindung erreichen. Das heißt, man möchte nicht nur kurz gemeinsam einen Weg gehen, sondern eigentlich lange. Das ist das Bestreben, nur dann ist das ganze Unternehmen auch effektiv und erfolgreich. Weil es schon sehr lange dauert, da wir eine hohe fachliche Tiefe haben. Da braucht man schon ein paar Jahre, bis man richtig effektiv entwickeln kann. Das wird oft unterschätzt, die meisten Leute denken, ich bin nach einem halben Jahr soweit und bin voll produktiv. Das ist aber im Regelfall erst nach zwei Jahren so, und richtig effektiv erst nach fünf Jahren. Jedes Mal zeigt sich das wieder.

Rasko Peric:
Was ist Ihnen denn persönlich im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen besonders wichtig?

Martin Hug:
Ich finde sehr wichtig Offenheit, Transparenz und letztendlich gegenseitige Wertschätzung. Das sind eigentlich schon die Schlüsselpunkte. Nur so macht das Arbeiten im Team auch Spaß, und das ist dann auch der Schlüssel zum Erfolg.

Rasko Peric:
Wenn Sie zurückdenken: Welche Veränderungen haben Sie beruflich am meisten beeinflusst oder beeindruckt – im technischen Bereich aber auch im Hinblick auf die Arbeitswelt?

Martin Hug:
Ich habe ja schon viel Berufserfahrung vor der Zeit von efcom mitgebracht. Und die meisten Sachen haben mich aus der Zeit geprägt. Man lernt am meisten aus negativen Erfahrungen. Ich habe aus meinem Leben viele Sachen mitgenommen, wo ich gesagt habe: So will ich es nicht mehr machen oder so möchte ich nicht arbeiten. Und diese Sachen habe ich dann auch mitgenommen, um selber eine Firma aufzubauen. Gerade auch, was die Auswahl an Techniken angeht. Was hat einen in der Zeit von efcom geprägt? Sicherlich die schwere Zeit der Finanzkrise und natürlich im Laufe der letzten Jahre immer stärker auch, dass die Anwendungen webfähig sein muss. Und dass letztendlich die Grenzen verschwimmen, wer die Anwendung bedient. Das heißt, nicht nur ein Mitarbeiter im Factoring-Unternehmen, sondern auch ein Kunde, dass sozusagen im Portal diese verschiedenen Akteure miteinander interagieren. Das verändert sehr stark die Software.

Rasko Peric:
Das sind auch die Herausforderungen, an denen Sie gerade sitzen und auch in Zukunft sitzen werden in der Entwicklung der Factoring-Software bei efcom?

Martin Hug:
Ja, das sind auf jeden Fall die Bausteine, die für die Web-Anwendung in Zukunft wichtig sind. Immer mehr Abläufe, die derzeit noch in der Backoffice-Anwendung laufen, werden dann auch verlagert in die Web-Anwendung. Damit man einerseits beim Factoring-Unternehmen auch Entlastung schafft und andererseits der Kunde viel schneller zum Ergebnis kommt. Viele Abläufe haben, wenn man es nur in der Backoffice-Anwendung hat, Brüche. Man braucht dann ein Feedback vom Kunden, der wird dann vielleicht nur per E-Mail oder über ein Portal angesprochen. Der meldet sich erst nach Tagen zurück, und über die Web-Anwendung ist das in einem Ablauf.

Rasko Peric:
Was sind Ihre Prognosen für diesen Bereich? Was wird sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln? In aller Munde ist die Künstliche Intelligenz, Blockchain und Ähnliches. Das sind auch Bereiche, mit denen Sie sich beschäftigen wollen oder werden?

Martin Hug:
In Teilen der Anwendung benutzen wir Module mit Künstlicher Intelligenz. Das ist eher der Bereich des Zahlungseingangs, wo die Herausforderung ja immer da ist, dass man ein Matching zu den Rechnungen herstellen will. Und dort kommt so etwas zum Einsatz. In der normalen Anwendung eher noch nicht. Es kommt auch auf den Anwendungsfall an, die sehe ich da noch nicht so stark.

Rasko Peric:
Zum Schluss noch eine ganz andere Frage: Womit vertreibt man sich denn als IT-Leiter außerhalb des Büros die Zeit? Was interessiert Sie – Sport, vielleicht Gaming oder etwas ganz anderes?

Martin Hug:
Vor meiner beruflichen Laufbahn habe ich viel Computer gespielt. Dazu habe ich jetzt einfach nicht die Zeit, würde ich aber sicherlich gerne machen. Aber wenn ich den ganzen Tag vorm Computer sitze, dann möchte ich das dann in meiner Freizeit nicht mehr. Ich bin eigentlich noch sportlich sehr aktiv, spiele in der Mannschaft Badminton und bin ansonsten sehr gerne in der Natur. Ich habe jetzt einen Hund, bin viel spazieren mit dem Hund, meine Frau hat ein Pferd, da sind wir im Stall. Da sind wir sehr viel in der Natur.

Rasko Peric:
Das hört sich sehr interessant an. Vielen Dank für das Interview Herr Hug und weiterhin alles Gute.

Martin Hug:
Dankeschön, auch!

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